Warum PSOURCE künftig mehr sein soll als eine Sammlung von Plugins und Themes – und weshalb wir einen eigenen Raum für die deutschsprachige ClassicPress-Community öffnen möchten.
Eine gute Software allein reicht nicht
Wir nutzen ClassicPress seit seinen frühen Tagen. Wir haben die Entwicklung verfolgt, eigene Projekte darauf aufgebaut und über Jahre hinweg Software entwickelt, die sowohl mit ClassicPress als auch mit WordPress funktioniert.
ClassicPress hat für uns nach wie vor eine klare Daseinsberechtigung. Ein CMS muss nicht jedem Trend hinterherlaufen. Es muss nicht immer komplexer werden, ständig neue Funktionen integrieren oder seinen Nutzern die Kontrolle über ihre eigene Arbeitsumgebung nehmen. Ein stabiles, schlankes und verlässliches Fundament, auf dem Menschen ihre eigenen Lösungen entwickeln können, ist ein Wert an sich.
Deshalb haben wir PSOURCE aufgebaut. Wir entwickeln Werkzeuge, Plugins und Themes, die konkrete Probleme lösen und möglichst ohne unnötige Abhängigkeiten auskommen. Unsere Projekte stehen öffentlich zur Verfügung, und wir möchten Software bereitstellen, die Menschen tatsächlich nutzen, verstehen und langfristig einsetzen können.
Doch je länger wir uns mit der Zukunft von ClassicPress beschäftigen, desto deutlicher wird für uns eine Frage:
Was nützt ein guter Core, wenn das Ökosystem darum herum nicht stark genug wächst?
Ein CMS besteht nicht nur aus seinem Kern. Es lebt von seinen Entwicklern, Theme-Autoren, Plugin-Maintainern, Agenturen, Dokumentationen, Anwendern und den Menschen, die anderen bei Problemen helfen. Diese Bestandteile müssen zusammenspielen. Sie müssen neue Menschen anziehen, bestehende Mitwirkende halten und Vertrauen schaffen.
Eine kleine, engagierte Gruppe kann viel bewegen. Aber sie kann nicht allein die Grundlage für ein dauerhaft starkes Ökosystem bilden.
Wir sorgen uns um die langfristige Entwicklung
Wir beobachten eine Community, die nach außen nur begrenzt sichtbar ist und in der es schwierig bleibt, neue Entwickler, Agenturen und Anwender zu gewinnen. Wie groß ClassicPress tatsächlich ist und wie sich seine Verbreitung entwickelt, lässt sich anhand einzelner Erkennungsdienste nicht zuverlässig beantworten. Auch offizielle Nutzungsdaten müssen im Kontext ihrer Erhebungsmethoden betrachtet werden.
Genau deshalb halten wir transparente Informationen, eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine offene Diskussion über die Zukunft für wichtig.
Wie entwickelt sich die Nutzerbasis? Welche Hürden halten Entwickler davon ab, neue Projekte für ClassicPress aufzubauen oder bestehende Projekte langfristig zu pflegen? Was brauchen Agenturen, um ClassicPress ihren Kunden empfehlen zu können? Und wie schaffen wir Bedingungen, unter denen sich nicht nur einzelne Projekte, sondern ein vielfältiges und nachhaltiges Ökosystem entwickeln kann?
Das sind keine Fragen, die sich allein mit persönlichem Engagement beantworten lassen.
Natürlich gibt es Menschen, die mit ClassicPress erfolgreich arbeiten. Das freut uns, und ihre Erfahrungen sind wertvoll. Aber der Erfolg einzelner Personen sagt noch nicht aus, ob die Rahmenbedingungen für eine breite Gemeinschaft aus Entwicklern und Nutzern stimmen.
Eine zukunftsfähige Plattform braucht mehr als einzelne Erfolgsgeschichten. Sie braucht Wege, auf denen weitere Menschen erfolgreich werden können.
Kritik muss möglich sein, ohne dass sie persönlich wird
Ein weiterer Grund für unsere Sorgen ist die Art, wie Diskussionen auf den offiziellen Plattformen teilweise verlaufen.
Wer Fragen zur Verbreitung, zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit oder zur langfristigen Entwicklung von ClassicPress stellt, sollte erwarten können, dass diese Fragen sachlich diskutiert werden. Stattdessen erleben wir wiederholt, dass Kritik auf persönliche Motive reduziert wird, dass individuelle Erfahrungen als allgemeingültige Antworten dienen und dass grundlegende Fragen nicht wirklich aufgearbeitet werden.
Wir haben selbst erlebt, wie schnell eine Diskussion über die Zukunft des Projekts zu einer Diskussion über die Person wird, die diese Fragen stellt.
Wir empfinden diese Art des Umgangs als zunehmend toxisch. Nicht, weil jede Meinungsverschiedenheit problematisch wäre oder weil Kritik unwidersprochen bleiben müsste. Unterschiedliche Positionen gehören zu Open Source. Gerade bei schwierigen Fragen muss man einander widersprechen können.
Entscheidend ist, ob man sich mit den Argumenten auseinandersetzt – oder stattdessen die Glaubwürdigkeit, die Motive und die persönliche Haltung des Gegenübers infrage stellt.
Eine offene Community sollte auch unbequeme Fragen aushalten können. Sie sollte diejenigen nicht verlieren, die auf Probleme aufmerksam machen, sondern prüfen, ob an ihren Einwänden etwas dran ist.
Wir möchten unsere Zeit in die Entwicklung von Software, den Austausch von Wissen und den Aufbau sinnvoller Lösungen investieren. Wenn Diskussionen auf offiziellen Plattformen für uns immer wieder mehr Energie kosten, als sie an Erkenntnissen oder Zusammenarbeit bringen, müssen wir daraus Konsequenzen ziehen.
Das bedeutet nicht, dass alle Menschen in der ClassicPress-Community so handeln. Es bedeutet auch nicht, dass wir die Arbeit derjenigen geringschätzen, die sich seit Jahren für das Projekt einsetzen. Wir sprechen über unsere Erfahrungen und darüber, welche Art der Zusammenarbeit wir künftig für sinnvoll halten.
Wir verlassen nicht ClassicPress – wir verändern unseren Ansatz
Eines möchten wir ausdrücklich klarstellen: Wir haben nicht vor, unsere Überzeugung von ClassicPress als Software einfach aufzugeben.
Unsere Projekte funktionieren sowohl mit ClassicPress als auch mit WordPress. Wir können unabhängig entwickeln, unsere Arbeit veröffentlichen und selbst entscheiden, welche Plattformen wir unterstützen. Wir sind nicht darauf angewiesen, dass ein offizielles Verzeichnis oder eine bestimmte Community unsere Arbeit ermöglicht.
Gerade diese Unabhängigkeit gibt uns die Möglichkeit, einen anderen Weg einzuschlagen.
Statt unsere Energie weiterhin überwiegend in Diskussionen auf den offiziellen Plattformen zu investieren, möchten wir PSOURCE schrittweise für mehr öffnen: als Anlaufstelle für Entwickler und Anwender im deutschsprachigen Raum, die sich für ClassicPress interessieren, damit arbeiten oder dazu beitragen möchten.
PSOURCE soll nicht nur ein Ort sein, an dem man Plugins und Themes findet. Wir möchten einen Raum schaffen, in dem Menschen Wissen teilen, Fragen stellen, Erfahrungen austauschen, Probleme gemeinsam lösen und eigene Ideen einbringen können.
Dabei geht es nicht darum, eine Gegenbewegung zu ClassicPress Core aufzubauen. Wir wollen keinen neuen Lagerkampf und keinen weiteren Streit darüber, wer recht hat. Wir möchten etwas schaffen, das einen praktischen Nutzen bietet – unabhängig davon, ob jemand zum Core beiträgt, Plugins entwickelt, eine Website betreibt oder einfach ein zuverlässiges CMS für seine Arbeit sucht.
Was wir uns für PSOURCE vorstellen
Wir wollen diesen Weg schrittweise und realistisch gehen. Eine Community entsteht nicht dadurch, dass man sie auf einer Website ankündigt. Sie entsteht, wenn Menschen einen Grund haben, wiederzukommen, sich einzubringen und anderen zu helfen.
Deshalb möchten wir unter anderem:
- Wissen zugänglich machen: Erfahrungen, Anleitungen und Lösungen dokumentieren, insbesondere für den deutschsprachigen Raum.
- Entwickler miteinander verbinden: Austausch über Plugins, Themes, Kompatibilität, Wartung und konkrete technische Probleme ermöglichen.
- Anwender ernst nehmen: Nicht jeder Nutzer kann fehlende Funktionen selbst programmieren. Fragen und Anforderungen von Anwendern müssen deshalb genauso wichtig sein wie die Perspektive von Entwicklern.
- Zusammenarbeit erleichtern: Ideen, Verbesserungen, Fehlerberichte und Beiträge aus der Community willkommen heißen.
- Realistische Bedingungen berücksichtigen: Auch Wartungsaufwand, verfügbare Ressourcen und wirtschaftliche Tragfähigkeit gehören zu einer ehrlichen Diskussion über Open Source.
- Unabhängig und offen bleiben: Keine künstlichen Bezahlschranken für grundlegende Funktionen, keine unnötigen Abhängigkeiten und kein Zwang, sich einer bestimmten Meinung anzuschließen.
Wir haben nicht auf jede dieser Fragen bereits eine fertige Antwort. Wir wollen auch nicht so tun, als könnten wir allein sämtliche Probleme lösen, die ClassicPress beschäftigen. Aber wir können einen Ort schaffen, an dem diese Fragen konstruktiv behandelt werden und aus Gesprächen konkrete Ergebnisse entstehen.
Warum wir gerade den deutschsprachigen Raum im Blick haben
ClassicPress hat im deutschsprachigen Raum aus unserer Sicht noch viel ungenutztes Potenzial. Datenschutz, Kontrolle über die eigene Website, ein überschaubares System und die Möglichkeit, unabhängig zu arbeiten, sind Argumente, die für viele Anwender und Organisationen relevant sein können.
Damit daraus mehr wird als eine theoretische Möglichkeit, braucht es aber mehr als eine übersetzte Benutzeroberfläche. Es braucht verständliche Dokumentation, erreichbare Ansprechpartner, passende Erweiterungen und Menschen, die Erfahrungen miteinander teilen.
PSOURCE ist aus genau diesem Umfeld entstanden. Wir kennen die Anforderungen, die sich aus dem deutschen Markt ergeben, und entwickeln Lösungen, die nicht nur sprachlich angepasst sind, sondern auch konkrete Bedürfnisse berücksichtigen.
Wir möchten diese Erfahrung künftig stärker mit anderen teilen und Menschen zusammenbringen, die ClassicPress im deutschsprachigen Raum voranbringen möchten. Übersetzungen, Beiträge und Austausch über Sprachgrenzen hinweg bleiben ausdrücklich willkommen.
Die Zukunft entsteht nicht durch Rechtbehalten
Wir glauben weiterhin an ClassicPress. Aber an eine langfristig erfolgreiche Zukunft glauben zu wollen, bedeutet für uns auch, Schwierigkeiten offen anzusprechen.
Wir brauchen eine starke Gemeinschaft aus Entwicklern und Nutzern. Wir brauchen Vertrauen, nachvollziehbare Informationen, konstruktive Zusammenarbeit und ein Umfeld, in dem Menschen nicht erst beweisen müssen, dass ihre Fragen aus den richtigen Motiven entstehen.
Niemand muss jede unserer Einschätzungen teilen. Niemand muss PSOURCE nutzen oder unserem Weg folgen. Wir wünschen uns lediglich, dass unterschiedliche Perspektiven als Möglichkeit verstanden werden, ein Projekt besser zu machen.
Deshalb wollen wir unsere Energie künftig stärker dort einsetzen, wo wir unmittelbar etwas beitragen können: bei unserer Software, beim Wissensaustausch und beim Aufbau einer offenen Anlaufstelle für die Menschen, die ClassicPress nutzen und weiterentwickeln möchten.
Wir geben ClassicPress nicht auf. Wir möchten dazu beitragen, dass es mehr Menschen gibt, die sich für seine Zukunft interessieren – und einen Ort schaffen, an dem sie gemeinsam etwas daraus machen können.
Wenn du ClassicPress nutzt, dafür entwickelst, Fragen hast oder einfach deine Erfahrungen teilen möchtest, bist du bei PSOURCE willkommen.
Nicht, weil wir bereits alle Antworten kennen. Sondern weil wir davon überzeugt sind, dass eine gute Zukunft nur gemeinsam entstehen kann.